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Vor einigen Jahren entschied ich mich dazu auch im lokalen Netzwerk einen Server zu betreiben. Damals übernahm er die Aufgabe des reinen Ablagemediums für Dokumente und Backups. Mit der Zeit kam dann auch die Musikwiedergabe, die Funktion des Druckerservers und letztlich auch die des iTunes-Servers hinzu.

Ein Server macht Arbeit

Auch ein Server im lokalen Netzwerk - der nach aussen hin abgeschottet und nur via VPN zu erreichen ist - benötigt Zuwendung und Pflege, sodass neben Updates und Fehlerkorrekturen irgendwann auch neue Hardware hinzu kamen. Mit der Zeit wurde mir das dann zuviel, sodass ich mich für ein neues System auf Intel Atom-Basis entschied, welches mit FreeNAS bestückt wurde (damals in Version 0.6.x glaub ich).

Der grosse Vorteil von FreeNAS war zum damaligen Zeitpunkt, dass ich alle Dienste sehr komfortabel über eine Weboberfläche konfiurieren und bedienen konnte. Es war mit Hilfe von FreeBSD-Paketen erweiterbar (leider kein Ports-Tree), sodass ich damit praktisch alles tun konnte, was ich wollte. Für meine damalige Situation war das die Verbesserung die ich mir erhofft hatte.

FreeNAS wurde zudem fleissig weiterentwickelt und so wurde ca. einmal im Jahr ein kleines Update fällig, was in der Regel problemlos funktionierte. Doch dann kam die Übergabe von FreeNAS an iXsystems und eine komplette Neuentwicklung wurde angekündigt. Leider hatte man die FreeNAS-User etwas vergessen, sodass es keinen offiziellen Upgrade-Pfad für vorhandene Installationen gab. Und das war für mich ein Problem, sodass ich lange auf der 0.7.x-Schiene verweilte.

Warum gerade jetzt?

Letzte Woche viel nach einem Neustart mein System aus. Der Server gab keinen Ton mehr von sich, was er allerdings auch zuvor bereits getan hatte. Also stand eine umfangreiche Analyse und Fehlerbehebung an, die mich einiges an Zeit und Nerven gekostet hat, da "alte" Ersatzteile auch nicht überall lagernd sind. Das Ende vom Lied: Ich hatte die Schnauze voll.

Meine NAS ist ein fester Bestandteil in meinem Netzwerk geworden. Nicht nur das lokale Netzwerk verlässt sich darauf, auch meine gehosteten Server greifen regelmässig darauf zu, sodass ein Ausfall für mich unruhigen Schlaf bedeutet. Ich entschloss mich daher dazu das aktuelle FreeNAS-System durch eine Synology DiskStation zu ersetzen, obwohl es eine Updatemöglichkeit auf NAS4Free gegeben hätte, was ich auch kurz in Erwägung gezogen hatte.

Warum Synology und welches Modell?

Zugegeben, ich habe keine Erfahrung mit fertigen NAS-Systemen, wie sie von Herstellern wie QNAP, Buffalo, Synology etc. angeboten werden. Ich habe mich demnach auf Erfahrungsberichte und die Angaben auf den Herstellerseiten verlassen müssen. Sehr gute Berichte habe ich zu Synology gelesen, sowohl was Qualität, Performance als auch Erweiterbarkeit angeht. QNAP ist wohl auch nicht verkehrt. Zu Buffalo habe ich nicht so viel gefunden, hier fand ich die Webseite und den Produktvergleich zu unübersichtlich, sodass ich mich aufgrund der vorhandenen Alternativen hier nicht weiter umgesehen habe. So habe ich mich letztlich auch auf Basis persönlicher Empfehlungen für ein Synology-System entschieden.

Folgende Kriterien waren für mich bei der Auswahl des richtigen Modells entscheidend:

  • Mindestens 2 LAN-Ports für Link Aggregation
  • Erweiterbarkeit mit Investitionsschutz (erkläre ich gleich)
  • Hohe Lese-/Schreibperformance
  • Installation zusätzlicher Software (rdiff-backup)
  • Hochwertige Verarbeitung

Unter "Erweiterbarkeit mit Investitionsschutz" verstehe ich die Möglichkeit bereits gekaufte Hardware weiterhin verwenden zu können. Wenn ich mich für ein 2-Laufwerkssystem entschieden hätte und ich diese mit 1 TB-Festplatten bestücke, kann ich diese nicht weiter verwenden, wenn mir 1 TB nicht mehr ausreicht, da ich keine Desktop-Systeme mehr besitze. Das hat zur Folge, dass ich mindestens ein 4-Laufwerkssystem haben möchte, sodass ich heute mit 2x 1 TB-Festplatten beginnen und bei Speicherplatzmangel einfach weitere dazu verbauen kann.

Im Endeffekt blieben für mich zwei Systeme aus dem Synology-Produktportfolio übrig: die DS412+ und die DS1513+. An der DS412+ hat mich das Plastikgehäuse und das externe Netzteil gestört, sonst hätte ich mich vermutlich dafür entschieden. Die DS412+ gibt es aktuell für ca. 530 Euro.

Schliesslich habe ich mich für die DS1513+ entschieden, da sie aktuell mit ca. 720 Euro nur knapp 190 Euro teurer ist als die DS412+, mir dabei aber folgende Vorteile bietet:

  • 2 GB RAM statt 1 GB RAM (kann bis zu 4 GB)
  • 5 statt 4 Laufwerke mögiich
  • 4 statt 2 LAN-Ports
  • 4 statt 1 USB 2.0-Port
  • Internes Netzteil
  • Hochwertigeres Gehäuse
  • 3 statt 2 Jahren Garantie

Ein Nachteil ist natürlich, dass keine Willkommens-CD mitgeliefert wurde. Kleiner Scherz Lächelnd

Die Migration

Nach dem Entscheid, dem Kauf und der Installation musste ich mich mit der Migration beschäftigen, denn schliesslich lief mein FreeNAS-System noch zuverlässig vor sich hin. Neue Festplatten habe ich nicht gekauft, mein Plan war es die sich heute im Einsatz befindlichen SATA-II-Festplatten weiter zu verwenden.

In FreeBSD-Manier liefen die beiden grossen Festplatten unter ZFS im RAID1, sodass ich mich kurzerhand entschied eine Festplatte aus dem RAID zu nehmen und als erste und einzige Festplatte in der DS1513+ zu verbauen. Das habe ich dann auch getan und es verlief absolut problemlos. Ich hatte gelesen, dass das Erstellen des Volumes (so nennt sich das bei Synology) ewig dauern würde, bei mir dauerte das keine 10 Minuten.

Nach der Grundkonfiguration der NAS, dem Einrichten von Benutzergruppen und verschiedenen Benutzern und letztlich dem Starten verschiedener Dienste ging es dann an die Übertragung der Daten vom FreeNAS-System. Das Anschliessen der Festplatte via USB wäre die schnellste gewesen, allerdings unterstützt Synology kein ZFS, sodass nur die Übertragung via Netzwerk blieb.

Dafür habe ich auf dem FreeNAS-System eine CIFS/SMB-Freigabe angelegt, die mir den Zugriff auf die gesamte Festplatte erlaubt. Anschliessend habe ich auf der DS1513+ über die Funktion "Remote-Ordner bereitstellen" diese Freigabe eingehängt und alle Daten kopiert. Mir viel sofort positiv auf, dass die Diskstation die Daten im Hintergrund kopiert und nicht etwa an meine Websession im Browser gebunden ist, denn das hätte nie funktioniert.

Nachdem alle Daten übertragen waren habe ich auch die zweite Festplatte in das Synology-System gesteckt (eingebaut wäre übertrieben). Diese wurde direkt erkannt und von mir in das Volume eingefügt, sodass sie nun wieder im RAID1 arbeiten. Vermutlich werde ich im Laufe des kommenden Jahres noch zwei Festplatten dazu kaufen und das ganze dann im RAID5 seinen Dienst verrichten lassen.

Fazit

Ich habe inzwischen ipkg installiert, was so gesehen ein Hack ist, mir aber die Installation von rdiff-backup erlaubt, das Backup-Tool meiner Wahl. Die Konfiguration ist noch nicht ganz fertig, sodass die Backups weiterhin auf das FreeNAS-System laufen, sobald ich aber auch das vollzogen habe, wird das FreeNAS-System vorerst abgeschaltet bzw. als Testsystem seine Dienste tun.

Das Synology-System hat mich überzeugt. Zugegeben, es kann nicht sehr viel mehr als mein FreeNAS-System. RAID1 bzw. RAID5 können beide und ich hätte für weit weniger Geld dickere Hardware kaufen können (und mehr Festplatten). Aber letztlich hat in mir das Verlangen nach einer Lösung gesiegt, die möglichst wenig Wartungsaufwand erfordert (einfache Updates mit Funktionserweiterungen auch für ältere Modelle) und mir dabei dennoch die Anforderungen erfüllt, die ich im Jahr 2013 habe (mobile Integration, "Cloud"-ähnliche Zugriffsmöglichkeiten etc).

Schauen wir mal, ob ich meine Entscheidung spätestens beim ersten Crash bereue...

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